Lebendrekonstruktion von Steneosaurus bollensis. von Nobu Tamura unter CC-BY-SA 4.0

Im Kopf eines Meereskrokodils

Dieser Beitrag ist auch auf GeoHorizon erschienen.

Wenn wir in der Paläontologie die Anatomie eines Organismus untersuchen wollen, stehen uns in der Regel nur die Hartteile wie Knochen oder Schalen zur Verfügung. Nur in den allerseltensten Fällen sind auch Reste des Weichgewebes erhalten. Doch benötigt man nicht zwangsläufig direkte Überreste der Weichteile, um deren Ausprägung erkennen zu können. Auch die erhaltenen Hartteile helfen oft indirekt bei der Interpretation. Die Hartteile, in diesem Fall Knochen, haben schließlich auch Stephen Brusatte und Kollegen verwendet, um etwas über das Gehirn und die Schädelgefäße eines sogenannten „Meereskrokodils“ herauszufinden.

Die Meereskrokodile (Thalattosuchia) gehörten wie die heutigen Krokodile, Gaviale und Alligatoren zu der großen Gruppe der Crocodyliformes („Krokodilartige“) und waren vor allem während des Jura weit verbreitet, einige Gattungen hatten sogar bis in die Unterkreide überlebt. Die Thalattosuchia lassen sich zum Großteil in zwei Familien unterteilen: Teleosauridae und Metriorhynchidae. Während die Teleosauriden in ihrem Erscheinungsbild noch eher den heutigen Gavialen glichen und sich zwar durchaus im Meer, aber immer noch in Landnähe aufhielten, waren die Metriorhynchiden deutlich an eine marine Lebensweise angepasst. Wie andere Meeresreptilien ihrer Zeit haben diese Krokodilartigen ihre Gliedmaßen zu Paddeln umgebildet und eine Schwanzflosse entwickelt.

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Rekonstruktion der Wattebene, im Vordergrund der wahrscheinliche Urheber der Megalosauripus-Spuren. Das Rosendiagramm rechts zeigt den bimodalen Verlauf Spuren, die rote Linie makiert die Küstenlinie. aus Razzolini et al. (2016) unter CC-BY-SA 4.0

Fährten von Megalosauriden aus dem Mitteljura von Portugal

Dieser Beitrag ist auch auf GeoHorizon erschienen.

Wissenschaftler um Novella L. Razzolini beschreiben eine neuentdeckte Ansammlung von Spurenfossilien großer fleischfressender Dinosaurier aus dem Mitteljura von Portugal. Insgesamt sind mehr als 700 Stück der dreizehigen Spuren überliefert, die von den Wissenschaftlern dem Ichnotaxon Megalosauripus zugeordnet werden.

Die Fossilien stammen aus einem Kalksteinbruch innerhalb der Serra de Aire Formation im Westen Portugals und haben ein Alter von ca. 167 Mio. Jahren (Bathonium). Die 700 Spuren sind dabei in mindestens 80 verschiedenen Fährten organisiert, welche alle bimodal in Richtung Westen/Nordwesten bzw. Osten/Südosten verlaufen.

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Lebendrekonstruktion von Deinocheirus mirificus.
by Michael B.H. under CC-BY-SA 3.0

Zwei Theropoden in neuem Licht (Teil 2): Deinocheirus

Der zweite Teil zu den zwei „phantomhaften“ Theropoden. Im ersten Teil haben wir uns Spinosaurus  und seine nun noch besser belegte semiaquatische Lebensweise angesehen. Im nun folgenden Artikel soll es um Deinocheirus  gehen.

Deinocheirus – ein historischer Rückblick

Wer sich ein bisschen mit Dinosauriern beschäftigt hat, ist wahrscheinlich schon irgendwann auf den Namen Deinocheirus („Schreckenshand“) gestoßen. Meistens kennt man ihn als großen, kaum bekannten Theropoden, von dem lediglich seine riesigen Arme überliefert sind. Das war auch lange so und erst in den letzten Jahren sind neue Fossilien aufgetaucht, doch werfen wir erstmal einen Blick auf die Forschungsgeschichte von Deinocheirus.

Im Jahre 1965 führte eine Expedition ein Team um Prof. Kielan Jaworowska in die mongoloische Wüste Gobi, genauer in die Nemegt Formation. Die Formation, welche auf die Oberkreide datiert wird, besteht aus Sandstein und ist vor allem für ihre große Dinosaurier-Fauna bekannt, so wurden z.B. die Gattungen Tarbosaurus , Gallimimus  und Nemegtosaurus  ebenfalls dort gefunden. Jaworowska und Kollegen bargen in den oberen Nemegtschichten schließlich die Fossilien von einem großen Dinosaurier, der 1969 von Osmòslka & Roniewicz als Deinocheirus mirificus  erstbeschrieben wurde.

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Skelett eines schwimmenden Spinosaurus.
by Mike Bowler under CC-BY-SA 2.0

Zwei Theropoden in neuem Licht (Teil 1): Spinosaurus

Manchmal sind Tiere sehr populär, obwohl man eigentlich kaum etwas über sie weiß. Sie tauchen in Büchern und Filmen auf, sind aber nur von ein paar einzelnen Knochen bekannt. Doch reichen diese Knochen auch aus, um zu wissen, dass man etwas besonderes vor sich hat. Riesige Arme zum Beispiel gehörten wohl auch zu einem ebenso riesigen Tier, für diese Weisheit braucht man nicht unbedingt den Rest des Skeletts. Doch wenn man die Fossilien des restlichen Körpers findet, entpuppt sich das unbekannte Tier vielleicht als etwas völlig neues, von dessen Existenz man nicht mal zu träumen gewagt hat. So geschehen bei zwei bis dato eigentlich „phantomhaften“ Dinosauriern, namentlich Spinosaurus  und  Deinocheirus. Wer mit der Materie vertraut ist, kennt natürlich beide, nur täuscht diese Bekanntheit darüber hinweg, dass wir von beiden Gattungen, vor allem von Deinocheirus  eigentlich kaum etwas wussten und uns nur anhand ihrer nächsten Verwandten ein etwaiges Bild von ihnen machen konnten. Das hat sich jetzt geändert, denn von Spinosaurus  und Deinocheirus  sind neue Fossilien aufgetaucht, die vor allem eines zeigen: diese Tiere waren noch verrückter als ursprünglich gedacht.

Im ersten Teil gehts um Spinosaurus, für Deinocheirus  folgt dann ein zweiter Teil.

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Skelettrekonstruktion von Argentinosaurus, einer ähnlichen Titanosauria-Art aus Argentinien.
by Sellers et al. under the Creative Commons Attribution 2.5 Generic license

Der Jüngste und der Größte – zwei neue Sauropoden aus Argentinien

Wow, mein letzter Artikel hier ist von Februar, ich war wohl wirklich nicht motiviert:)

Naja, seis drum. Ich hätte noch einen etwas längeren Artikel über die Ozeane der Trias in Arbeit, weiß aber nicht, wann und ob das noch was wird. Allerdings hat sich auch in Sachen Paläontologie in den letzten zwei Monaten viel getan, sodass ich doch so einiges an neuem Material hab. Heute soll es mal wieder um Dinosaurier gehen, genauer um Sauropoden.

Sauropoden fassen einen Großteil der typischen „Langhals-Dinosaurier“ zusammen, charakteristisch ist der meist lange Hals mit kleinem Kopf und der lange Schwanz. Bekannt wurden die Pflanzenfresser aber vor allem aufgrund ihrer teils gigantischen Ausmaße. Mit Längen jenseits der 30m und einem Gewicht von über 70t brachten die Sauropoden die größten bekannten Landtiere der Erdgeschichte hervor.  Eine neue Art von rekordverdächtigen Sauropoden wird auch ein Thema in diesem Artikel sein, beginnen möchte ich aber mit einem erstmal weniger spektakulären  Neuling, nämlich Leinkupal laticauda.

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DAKAR Rally droht Fossilien zu zerstören

Nächstes Jahr wird in der peruanischen Wüste wieder die DAKAR Rally stattfinden. Unglücklicherweise liegt mitten in dem geplanten Weg eine Fundstelle von seltenen Fossilien, schon während der Rally im Jahr 2012 wurden einige dabei zerstört.
Die Fossilien sind rund 12 Mio. Jahre alt und umfassen neben einigen einzigartigen Walfossilien unter anderem auch Reste des Riesenhais Megalodon. Es wurde mittlerweile eine Petition zum Schutz der Fossilien gestartet und es wäre toll, wenn sich möglichst viele beteiligen würden.:)

https://www.change.org/en-GB/petitions/unesco-we-want-unesco-the-government-of-peru-and-amaury-sport-organization-organizers-of-the-dakar-rally-to-protect-the-scientifically-important-fossils-in-the-pisco-ica-desert#share

 

UPDATE: Die Petition war erfolgreich! Danke für alle, die mitgemacht haben😉

Skelettrekonstruktionen von (A) Chaohusaurus mit den drei Jungtieren, (B) Chaohusaurus-Embryo und (C) Stenopteryigus mit Neugeborenem.
by Mosanti et al. (2014) under the Creative Commons Attribution License

Lebendgeburt bei Ichthyosauriern – entstand sie an Land?

So, endlich komm ich mal wieder dazu, einen Blogeintrag zu machen…

Wenn man an Lebendgeburt denkt, kommen einem meistens als erstes Säugetiere in den Sinn. Das ist verständlich, immerhin bringen bis auf ein paar wenige Ausnahmen alle Säugetiere ihre Jungen lebend zur Welt. Die meisten anderen Wirbeltiere dagegen legen Eier, die Entwicklung und Geburt der Jungen findet also erst außerhalb des Elterntieres statt. Aber auch einige Fische und Reptilien bringen lebende Junge zur Welt (Video einer Schlangengeburt). Tatsächlich hat sich die Lebendgeburt bei Wirbeltieren im Laufe der Erdgeschichte 141 mal unabhängig voneinander entwickelt, davon allein 108 mal bei den Squamata (Echsen und Schlangen).

Wir kennen heute einige Fossilien, die Lebendgeburten bei urzeitlichen Tieren belegen. Die bekanntesten dürften dabei Ichthyosaurier, umgangsprachlich auch Fischsaurier genannt, sein. Ichthyosaurier waren keine Dinosaurier, sondern werden mit einigen primitiveren Verwandten zu den Ichthyopterygia zusammengefasst. Ihr Ursprung ist meines Wissens noch weitgehend unerforscht, was aber anscheinend sicher ist, dass es Diapsiden waren.[1] Die rezenten Diapsiden umfassen alle heutigen Reptilien einschließlich der Vögel.

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