Was wissen wir wirklich? Ein verzerrtes Bild von prähistorischen Tieren

Wenn man sich mit ausgestorbenen Tieren beschäftigt, stößt man oft an Grenzen. Man kann sie nicht beobachten, ihre Verhaltensweisen nicht studieren. Ist eine Art erst in historischer Zeit ausgestorben hat man vielleicht noch Bilder oder Filmaufnahmen oder zumindest Berichte von Menschen, die noch lebenden Exemplaren begegnet sind. Schwieriger wird es bei prähistorischen Tieren, die ausstarben lange bevor die ersten Menschen auftauchten. Von diesen Arten haben wir, wenn überhaupt, oft nur spärliche Überreste, meist Hartteile wie Knochen oder Schalen, die sich durch Fossilisation bis heute erhalten haben. Solche fossilen Skelette und Abdrücke verraten uns viel über die anatomischen Eigenschaften, Bewegungsmöglichkeiten (siehe z.B. hier), oft auch etwas über die Ernährungsweise (z.B. hier)  und die Fortbewegung eines Tieres.

Das ist, in Anbetracht des knappen Materials, eigentlich recht viel, aber doch wieder nur ein Kratzen an der Oberfläche, wenn man sich die Vielschichtigkeit der heutigen Tierwelt ansieht. Wir können zwar mit Sicherheit sagen, dass ein Tyrannosaurus auf seinen Hinterbeinen lief und sich von Fleisch ernährte, werden aber vielleicht zum Beispiel nie erfahren, wie er balzte oder seine Jungen aufzog (wenn überhaupt). Auch gibt uns das Skelett nur grobe Erkenntnisse über das Aussehen eines Tieres. Weichteile sind nur sehr selten erhalten, auch das Vorhandensein und die Anordnung von Federn oder Fell bleiben uns oft verborgen, bestimmen aber doch wesentlich das Erscheinungsbild eines lebenden Tieres. So wurde erst kürzlich bei dem Hadrosauriden Edmontosaurus regalis ein Schädelkamm aus weichem Gewebe nachgewiesen, dessen Existenz sich am Skelett zuvor nicht erkennen lies.

Uhu-Skelett by BS Thurner Hof

Uhu-Skelett
by BS Thurner Hof

Ein Uhu. Die Federn bestimmen das wesentliche Erscheinungsbild. by Tuxyso under Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Ein Uhu. Die Federn bestimmen das wesentliche Erscheinungsbild.
by Tuxyso under Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Unsere Rekonstruktionen werden im Kern zwar immer korrekt sein, die tatsächliche Erscheinung eines prähistorischen Tieres samt seiner facettenreichen Verhaltensweisen werden wir aber nie vollständig erfassen können.

Ich finde es aber auch schade, wenn urzeitliche Tiere in Zeichnungen oder Computeranimationen eben auf diesen höchstwahrscheinlich korrekten Kern reduziert werden. Ja, natürlich wäre es vernünftig, man weiß ja schließlich nicht mehr, aber irgendwie fehlt da was, das Natürliche, das Lebendige, das Tierische. Dinosaurier beispielsweise werden als riesige Monster dargestellt, die dauernd nur Kämpfen und Brüllen was das Zeug hält. Wo hat denn das was mit Realität zu tun? Warum nicht mal ein Tyrannosaurus, der den halben Tag faul in der Sonne liegt oder ein Velociraptor, der um ein Weibchen balzt? Oder warum nicht etwas, was auf den ersten Blick gar nicht zu dem jeweiligen Tier passt? Ein aasfressender Ceratopsier vielleicht? Immerhin fressen auch Krokodile gerne mal Obst. Freilich ist das alles reine Spekulation und nichts, was sich wirklich mit Fossilien belegen lässt, aber letztendlich könnte es näher an der Realität sein als bisherige stereotype Rekonstruktionen.  Ich möchte an dieser Stelle an drei Beiträge des Paläontologen und Künstlers Mark Witton weiterleiten, der es meiner Meinung nach sehr gut auf den Punkt bringt. Link 1, Link 2, Link 3.

Auch gibt es heute viele Künstler, die gerne von den klischeehaften Darstellungen abweichen und ein bisschen spekulieren, (wohlgemerkt spekulieren und nicht fantasieren), was denn so alles möglich wäre. So empfehle ich mal das Projekt „All Yesterdays“ (siehe dazu auch Link 1). Ich kann hier aus Urheberrechtsgründen leider keines der mir bekannten Bilder einbinden, ihr solltet aber eine große Auswahl finden, wenn ihr auf deviantart.com die Schlagwörter „all yesterdays dinosaurs“ eingebt. Es gibt übrigens auch ein Buch dazu.

Ich hätte zu dem Thema bestimmt noch einiges zu sagen, aber sonst veröffentliche diesen Artikel nie, deshalb irgendwann anderer Stelle. 😉

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