Der Jüngste und der Größte – zwei neue Sauropoden aus Argentinien

Wow, mein letzter Artikel hier ist von Februar, ich war wohl wirklich nicht motiviert 🙂

Naja, seis drum. Ich hätte noch einen etwas längeren Artikel über die Ozeane der Trias in Arbeit, weiß aber nicht, wann und ob das noch was wird. Allerdings hat sich auch in Sachen Paläontologie in den letzten zwei Monaten viel getan, sodass ich doch so einiges an neuem Material hab. Heute soll es mal wieder um Dinosaurier gehen, genauer um Sauropoden.

Sauropoden fassen einen Großteil der typischen „Langhals-Dinosaurier“ zusammen, charakteristisch ist der meist lange Hals mit kleinem Kopf und der lange Schwanz. Bekannt wurden die Pflanzenfresser aber vor allem aufgrund ihrer teils gigantischen Ausmaße. Mit Längen jenseits der 30m und einem Gewicht von über 70t brachten die Sauropoden die größten bekannten Landtiere der Erdgeschichte hervor.  Eine neue Art von rekordverdächtigen Sauropoden wird auch ein Thema in diesem Artikel sein, beginnen möchte ich aber mit einem erstmal weniger spektakulären  Neuling, nämlich Leinkupal laticauda.

Ein Diplodocinae aus der Unterkreide

Leinkupal („verschwindende Familie“) wurde dieses Jahr von Gallina et al. beschrieben, die Fossilien stammen aus Schichten der Bajada Colorada Formation in Patagonien (Argentinien), die zwischen dem Berriasium und dem Valanginium (Unterkreide) abgelagert wurden.

Der hintere Schwanzwirbel von Leinkupal laticauda. by Gallina et al. under the Creative Commons Attribution License

Ein vorderer Schwanzwirbel von Leinkupal laticauda.
by Gallina et al. under the Creative Commons Attribution License

Erhalten sind ein Schwanzwirbel als Holotyp sowie drei weitere Schwanzwirbel, ein Rückenwirbel  und drei Halswirbel als Paratypen. Außerdem waren die Fossilien vermischt mit den Resten eines Dicraeosauriden, es könnten also noch weitere Knochen vorhanden sein, Gallina et al. beschrieben aber nur diejenigen Fossilien, die sich eindeutig der neuen Art zuordnen ließen.

So, aber was ist jetzt besonders an diesen paar Wirbeln? L. laticauda gehörte zur Familie der Diplodocidae, genauer zur Unterfamilie Diplodocinae. Diplodociden waren große bis sehr große Sauropoden, die vor allem aus dem Oberjura von Nordamerika bekannt sind. Die berühmtesten dürften die Gattungen Apatosaurus (irrtümlicherweise oft „Brontosaurus“ genannt) und der namensgebende Diplodocus gewesen sein. Einige Arten wie Supersaurus vivinae, Diplodocus hallorum (ursprünglich Seismosaurus), aber auch Apatosaurus konnten über 30m lang werden. Damit übertrafen sie, zumindest was die Länge angeht, sogar den heutigen Blauwal. Aber so atemberaubend diese Tiere auch waren, sie sind schließlich ausgestorben. Als Zeitpunkt ihres Aussterbens wurde bis jetzt die Jura-Kreide-Grenze angenommen, doch stellt diese Hypothese der neue Leinkupal nun in Frage. Dieser lebte, wie oben bereits geschrieben, nämlich in der Kreidezeit, knapp 5 Mio. Jahre nach dem vermuteten Verschwinden der Diplodociden. Damit ist er also der jüngste bis jetzt bekannte Diplodocid und auch der erste Diplodocid, den man in Südamerika gefunden hat. Auch vom ehemaligen Großkontinent Gondwana (der aus den heutigen Kontinenten Südamerika, Afrika, Australien, Antarktika sowie Indien bestand) war bis jetzt nur ein weiterer Diplodocid bekannt, nämlich Tornieria africana aus der oberjurassischen Tendaguru-Formation in Tansania. Diese Art war im übrigen nach Gallina et al. auch das Schwestertaxon von L. laticauda, also sein nächster bekannter Verwandter.

Lebendrekonstruktion von Tornieria africana. So ähnlich könnte auch Leinkupal ausgesehen haben. Used by permission of Green-Mamba

Lebendrekonstruktion von Tornieria africana. So ähnlich könnte auch Leinkupal ausgesehen haben.
Used by permission of Green-Mamba

Die restlichen Funde von Diplodociden außerhalb Nordamerikas beschränken sich auf den Oberjura von Europa, wobei es hier auch zweifelhafte Funde aus der frühesten Kreidezeit gibt. Fossilien möglicher asiatischer Arten gehörten wohl zu einer anderen Klade der Sauropoden. Gallina et al. versuchen durch die neuen Erkenntnisse auch die Evolutionsgeschichte der Diplodociden und ihren nächsten Verwandten aus der Überfamilie Diplodocoidea, namentlich Dicraeosauriden und Rebbachisauriden, nachzuvollziehen. Diese Familien waren im Gegensatz zur Diplodocidae schon vorher aus unter anderem Südamerika bekannt und vor allem die Rebbachisauriden hatten ihre Blütezeit erst während der Kreide. Gallina et al. schlussfolgern, dass die Diplodocoidea während des Mitteljura, etwa im Bajocium (vor ca. 170 Mio. Jahren) entstanden sind und sich von da an global verbreitet haben. Der Grund ist einfach, dass im weiteren Verlauf des Jura der Meeresspiegel stieg, sodass ein Überqueren einstiger Landbrücken unmöglich wurde. Auch die weite Verbreitung von basalen Diplodocoiden unterstützt diese These. Des Weiteren war Leinkupal eben nicht nur ein Mitglied der Diplodocidae, sondern auch von deren Unterfamilie der Diplodocinae. Dass diese fortschrittlichere Gruppe über drei verschiedene Kontinente verbreitet war, spricht in diesem Zusammenhang ebenfalls für eine frühe Ausbreitung womit auch die Entstehungsphase der frühen Diplodocoidea ins untere Mitteljura oder in noch ältere Zeiten rutscht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Leinkupal laticauda nicht nur ein wertvolles Puzzlestück in der Evolution der Diplodocoidea ist, sondern dass er auch die reiche Sauropoden-Fauna der Bajada Colorado Formation um eine bis dato verschwunden geglaubte Familie ergänzt.

Literatur: Gallina PA, Apesteguía S, Haluza A, Canale JI (2014) A Diplodocid Sauropod Survivor from the Early Cretaceous of South America. PLoS ONE 9(5): e97128. doi: 10.1371/journal.pone.0097128

„Biggest dinosaur ever“

Wirklich Schlagzeilen hat aber ein anderer Sauropode gemacht. Wie die BBC berichtet, hat ein Team um Dr. Jose Luis Carballido and Dr. Diego Pol vom Museum of Palaeontology Egidio Feruglio in Patagonien sieben Individuen einer neuen sehr großen Sauropoden-Art ausgegraben. Die Fossilien stammen aus der Kreidezeit (ca. 95 bis 100 Mio. Jahre) und wurden bereits vor einigen Jahren von einem Farmer entdeckt. Carballido und Pol ordnen die Art den Titanosauria zu, einer sehr erfolgreichen Klade kreidezeitlicher Sauropoden. Sie wird auf eine Länge von 40m und eine Höhe von 20m geschätzt, das Gewicht haben die Wissenschaftler mithilfe eines Oberschenkelknochens auf 77t berechnet, womit es der größte bis jetzt bekannte Dinosaurier sein soll.

Nun, was ist von dieser Nachricht zu halten? Meiner Meinung nach noch nicht allzu viel, da die Fossilien erst wissenschaftlich beschrieben werden müssen und der ganze Hype verfrüht sein könnnte. Auch ist die Sache mit dem „größten aller Dinosaurier“ immer ein bisschen schwierig. Wir kennen mehrere gigantische Sauropoden-Arten und auch diese neue Art wird wohl in der oberen Liga mitspielen, aber da wir

Skelettrekonstruktion von Argentinosaurus, einer ähnlichen Titanosauria-Art aus Argentinien. by Sellers et al. under the Creative Commons Attribution 2.5 Generic license

Skelettrekonstruktion von Argentinosaurus, einer ähnlichen Titanosauria-Art aus Argentinien.
by Sellers et al. under the Creative Commons Attribution 2.5 Generic license

von diesen Riesen häufig nur fragmentarische Reste haben, ist es schwer eine endgültige Antwort zu finden. Allein aus Argentinien sind mindestens vier weitere riesige Titanosaurier bekannt, darunter der berühmte Argentinosaurus huinculensis, die zweifelhafte Art Antarctosaurus giganteus sowie die der Öffentlichkeit leider weniger bekannten Puertasaurus reuili und Futalognkosaurus dukei. Und das sind wie gesagt nur die Funde aus Argentinien, wir kennen aus anderen Teilen der Welt ebenfalls riesige Sauropoden (siehe zum Beispiel auch die oben erwähnten Diplodociden, obwohl diese in der Regel leichter gebaut waren als die großen Titanosaurier). Wer sich ein bisschen mehr in dem Thema einlesen möchte, empfehle ich diesen Link: 15 „biggest“ dinosaurs you’ve never heard of!

Also, ich will diese durchaus beeindruckenden neuen Funde nicht klein reden, würde aber vorsichtig sein bis es ein offizielles Paper dazu gibt.

Auch noch interessant: Biggest Dinosaur Ever? Maybe. Maybe Not.

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